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Wertvolle Innenstadtflächen

Vor rund 100 Jahren begannen die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen mit dem Bau riesiger Gleisanlagen und des neuen, heutigen Hauptbahnhofs. Dabei wurden Teile der schönen Parkanlagen zwischen Innenstadt und Neckar zerstört und die Stadt geteilt. Die Bahngleise durchschneiden heute die Stadt und bilden unüberwindliche Barrieren zwischen Stadtquartieren und Parkanlagen. Das Projekt Stuttgart 21 bietet nun die außergewöhnliche Möglichkeit, diese Wunden zu heilen und durch die Beseitigung der Trennungen wieder eine zusammenhängende Stadtlandschaft entstehen zu lassen.  Schon vor gut 20 Jahren, noch vor der Projektidee, wurde der Rückbau der weiten Gleisanlagen in einem Teilbereich nahe dem Hauptbahnhof begonnen.

Europaviertel
Ein weiterer, weitaus größerer Schritt erfolgte durch die Stilllegung des Güterbahnhofs 1995. Auf dem frei werdenden, sich im Besitz der Deutschen Bahn AG befindlichen Grundstück konnte die Entwicklung des Europaviertels (A1-Gebiet) vorbereitet und in weiten Teilen bereits realisiert werden.

Der städtebauliche Entwurf des Planungsbüros Trojan, Trojan + Neu stellte die Planungsgrundlage dar. Neben der kürzlich fertig gestellten Stadtbibliothek befinden sich zurzeit vier Projekte im Bau – das Milaneo, eine Kombination aus Einkaufszentrum mit Wohnungsbau, die Pariser Höfe, ein reines Wohnbauprojekt, das Euro Plaza, ein Geschäftsgebäude und die Sparkassen- Akademie, ein großes Fortbildungs- und Schulungszentrum. Ziel ist hier die Erhöhung der Wohnungsbauanteile und die Öffnung der EG-Zonen für öffentliche Nutzungen. Zukünftig soll das Europaviertel um das Teilgebiet A2 erweitert werden. Die weiteren Teilflächen A2 – C werden noch für den Bahnbetrieb genutzt und können erst nach der Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofs bebaut werden. Ausnahme ist das Gebiet C1, welches heute schon zur Verfügung steht. Für das Teilgebiet D (Gäubahntrasse) ist im Regionalplan weiterhin eine Trasse für den Bahnverkehr vorgesehen.

Bahnhofsumfeld
Das sich stadträumlich stark verändernde Umfeld des neuen Tiefbahnhofs wird unter Berücksichtigung des planfestgestellten Entwurfs des Architekturbüros Ingenhoven mit einem Gesamtkonzept neu zu fassen und zu konkretisieren sein. Bestandteil dessen ist das Teilgebiet A3, welches unmittelbar an den Tiefbahnhof angrenzt. Hier könnte ein wichtiger Sonderbaustein, ein würdiges Gegenüber zum Bestandgebäude des Hauptbahnhofs, dem Bonatzbau, entstehen.

Rosensteinviertel
Als Rosensteinviertel wird der Bereich zwischen Heilbronner Straße, Wolframstraße, Schlossgarten und Rosensteinpark bezeichnet. Es liegt im Norden der Stuttgarter Innenstadt, 2,5 km vom Schlossplatz entfernt. Zugleich grenzt es an wichtige Landschaftsräume, das Neckartal und das „Grüne U“, bestehend aus Höhenpark Killesberg, Rosensteinpark und Schlossgarten.

Kernstück bildet die Bestandstruktur des Nordbahnhofviertels, hervorgegangen aus dem „Eisenbahnerdörfle“ aus den Jahren 1894 – 1912, ergänzt durch häufig isolierte Teilbereiche mit sehr unterschiedlichen Nutzungen und Baustrukturen. Eine wichtige Aufgabe wird es sein, diese zu einer Einheit zusammenzufügen und mit den neuen entstehenden Strukturen zu verweben.

Eigentümerin und Trägerin der Planungshoheit
Um die künftige Entwicklung des Stadtviertels beeinflussen zu können, hat die Stadt Stuttgart bereits im Dezember 2001 die Gebiete A2 – D – insgesamt 120 ha – von der deutschen Bahn AG erworben. Sie ist somit auf einem Großteil der Entwicklungsfläche Eigentümerin und Trägerin der Planungshoheit, was für die Es wird eine qualifizierte städtebaulich-landschaftliche Innenentwicklung ermöglicht und zugleich ein Beitrag zum Schutz der freien Landschaft in den Außenbezirken geleistet. Im Flächennutzungsplan konnte auf die Darstellung von 62 ha Bauerwartungsland auf der grünen Wiese verzichtet werden.

Umsetzung der Planungsziele äußerst günstige Voraussetzungen bietet. Neu entstehen können ca. 45 ha Nettobauland mit etwa 1,4 Millionen m2 Geschossfläche – Wohnraum für bis zu 15.000 Einwohner.

Nachhaltiger Städtebau
Das Rosensteinviertel soll Modell für einen zukunftsorientierten, nachhaltigen Städtebau werden und für eine optimale Erschließung an den öffentlichen Personennahverkehr und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept stehen. Ein vielfältiger Nutzungsmix mit Wohnungsbauschwerpunkt zu bezahlbaren Preisen wird angestrebt. Zentral scheint der Umgang mit der Topografie, zeichnet sich Stuttgart doch durch seine topografische Lage aus und erfordert in der Planung besondere stadträumliche und architektonische Antworten.

Grüner Siedlungsrand
Ein charakteristisches Merkmal des neuen Stadtviertels liegt darin, dass es auf einer Länge von ca. 3 km an die größte Parkanlage in Stadt und Region – den Rosensteinpark und den Schlossgarten – grenzt. Eine Einbeziehung und Reaktion auf den nahe liegenden Grün- und Landschaftsbezug könnte große Qualitäten und Identität für die neuen Quartiere mit sich bringen. Ausgesprochenes Ziel ist es zudem, ca. 20 ha für die Vergrößerung der Parkanlagen des Schlossgartens und des Rosensteinparks vorzuhalten.

Bürgerbeteiligung
Damit das künftige Quartier den Vorstellungen und Wünschen der Stuttgarter möglichst umfassend entspricht, möchte die Stadt vielfältige Wege der Bürgerbeteiligung gehen. Die Idee ist, die Bürger intensiv und kontinuierlich am Planungsprozess zu beteiligen. Das umfassende Informationsangebot der vergangenen 14 Jahren hat nicht gereicht, eine der Komplexität des Projekts angemessene Information der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, die vielfältigen partikularen Sichtweisen zu integrieren und das Ergebnis der komplexen Gesamtabwägung zweifelsfrei zur Geltung zu bringen. Die Stadt ist somit aufgefordert, im weiteren Planungsprozess die Förderung der Kommunikation, des Miteinanders von Generationen, Nationalitäten und sozialen Schichten intensiv zu betreiben, um dem Ziel, einen nachhaltigen Stadtteil zu schaffen, näher zukommen.

Umstrukturierung
In Stuttgart wird sich mit dem voranschreitenden Gestaltungsprozess eine tief greifende Umstrukturierung, besonders in den nahe liegenden Stadtquartieren, vollziehen. Um diesen Prozess positiv und für die Gesamtstadt verträglich zu arrangieren, erscheint eine sukzessive Entwicklung unter sorgfältiger Betrachtung und Respektierung des Vorhandenen geboten.

Landeshauptstadt Stuttgart
Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung
Carolin zur Brügge
T. +49 (0)711 / 216 – 3752
carolin.zur.bruegge@stuttgart.de
www.stuttgart.de

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