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Universitätsviertel Essen

Seit den 1970er-Jahren gab es sehr viele Überlegungen, die Universität besser an die City von Essen anzubinden. Hunderte von Entwürfen wurden erstellt, um über Brückenbauwerke und Unterführungen Universität und City zusammenwachsen zu lassen. Was jedoch immer als Trennlinie blieb, war, auch nach der Aufgabe des Großmarktes, der Bahnhof mit einer Breite von ca. 100 m. Im Oktober 2003 fiel die Entscheidung der Bahn, diese Strecke mit dem dazugehörigen Bahnhof aufzugeben. Damit eröffnete sich endlich die Chance für eine städtebauliche Anbindung.

Die mittlerweile gegründete Entwicklungsgesellschaft Universitätsviertel bemühte sich um den Ankauf der rund 6 ha großen ehemaligen Bahnfläche; Schwierigkeiten traten hier insbesondere wegen der parallel zur Bahnstrecke laufenden Kabel sowie der Diskussion um den gewünschten Brückenabriss über der Segerothstraße und der Gladbecker Straße mit einer Doppelbrücke auf. Die Bauwerke waren der Stadt seit jeher ein Dorn im Auge, da es sich um sehr stark lärmbelastete sogenannte Angsträume handelte.

Planungsgeschichte
Im Jahr 1998 konnte ein hohes Maß an Unsicherheit über die Zukunft des Areals festgestellt werden: Neubaupläne für eine Philharmonie, die den Standort in seiner Wertigkeit stark anheben sollte, wurden in Essen ebenso diskutiert wie der Umbau der Philharmonie am heutigen Standort Saalbau. Da der Berliner Platz (das heutige Univiertel) eine absolute „Nichtadresse“ darstellte, musste dort aus damaliger Sicht eine öffentliche Einrichtung positioniert werden, die eine positive Besetzung dieser Adresse ermöglichen sollte. Dazu erschienen entweder der Neubau bzw. der Umbau des damaligen Karstadt Warenhauses erforderlich oder der Neubau einer öffentlichen Infrastruktur – die Philharmonie als Neubau und Magnet. Um die zukünftige Gestaltung des Universitätsviertels weiter zu präzisieren, führte die Stadt 1999 eine sogenannte Perspektivenwerkstatt durch, an dem zahlreiche Bürger teilnahmen. Vereinfacht dargestellt wurde folgendes Ergebnis erreicht: Ca. 2 ha des Inneren des Areals sollten als Grünfläche gestaltet werden. Um diese Fläche herum wurden weitere 10 ha für eine Neubebauung vorgesehen – insbesondere für Wohnen, aber auch für gewerbliche Nutzungen/Dienstleistungen sowie für eine Philharmonie bzw. Sporthalle. Die Kommunalwahlen 1999 entschieden, dass die Philharmonie nicht auf dem Berliner Platz entstehen würde. So entstand Freiraum für Alternativen.

Ab 2001 wurde auf der Südseite des Viertels ein großes neues Einkaufszentrum mit ca. 50.000 m2 Bruttogeschossfläche von der Firma mfi geplant. Die Stadt unterstützte diese Pläne, da man auf der gegenüberliegenden Seite, im Bereich des Karstadt Warenhauses, keine Bewegung wahrnehmen konnte (keine Neuinvestition). Aufgeweckt durch diese Pläne wurden jedoch Aktivitäten aus der Karstadt AG heraus erzeugt, die eine eigenständige Planung aus dem Bereich des Karstadt Warenhauses nach sich zogen. Die Stadt hatte entschieden, dass der Wettbewerb zwischen den beiden Firmen mit Essener Firmensitz – Karstadt AG und mfi AG – ausgetragen werden sollte. Sie selber zog sich aus dem Wettbewerb zurück. Der Markt entschied schließlich für den Altstandort Karstadt Warenhaus. Konsequenz für das Univiertel: Man war wieder auf dem Stand von null.

Im Jahr 2004 ergaben Kommunalwahlen neue politische Mehrheiten im Rat. Diese forderten deutlich mehr Grünflächen im Univiertel und es wurde festgelegt, dass zwei Drittel von den 12 ha als Bauland und ein Drittel als Grünfläche genutzt werden sollten. Hierauf aufbauend entstand die Planung und Grundlage für alle weiteren Überlegungen: die Landesentwicklungsgesellschaft NRW entwickelte mit ihren Architekten die Idee einer sich durch das Gebiet erstreckenden Grünfläche mit einer Breite von 90 m und einer Länge von 600 m in Ostwestrichtung sowie einem etwas kleineren Grünzug in Nordsüdrichtung in einer maximalen Breite von 50 m. Dieses Grundgerüst führte zu insgesamt vier gleichmäßig verteilten Bauflächen, von denen ein Viertel weitgehend bebaut war und weitere drei als Neubauland verplant werden konnten. In Folge dieses städtebaulichen Konzeptes entstand ein Bebauungsplan, der im Wesentlichen an den Rändern zur Straße hin gewerbliche Nutzungen/Dienstleistungen – allerdings ohne Einzelhandel bzw. mit stark begrenztem Einzelhandel – und in den übrigen Flächen Wohnen vorsieht. Erst später kam auf der Ostseite des Areals das in Kürze entstehende Hörsaalzentrum für die Universität Essen hinzu.

Realisierung
Um Investoren für dieses bis vor Kurzem mit schlechtem Image behaftete Gebiet zu interessieren, wurde entschieden, zuerst den Grünzug anzulegen und damit die Wertigkeit des Geländes zu visualisieren. Da einige Vertreter der Stadt davon überzeugt waren, dass aus dieser Adresse niemals erfolgreiche Projekte hervorgehen würden, gab es am Anfang relativ große Vermarktungsschwierigkeiten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Allbau AG erklärte sich zwar bereit zu investieren, es gab infolge aber auch hier längere Leerläufe und nicht wenige Absagen. Nach einiger Zeit wendete sich jedoch das Blatt und die potenzielle Qualität des Standortes wurde erkannt. Investoren aus dem gewerblichen Bereich und insbesondere solche aus dem Bereich des Wohnungsbaus sahen den Ankauf von Grundstücken fortan als lohnenswert an. Als Konsequenz wurden die Grundstücke des Universitätsviertels in kürzester Zeit vermarktet und auch Ansiedlungserfolge konnten sehr schnell erzielt werden. Einer der größten Ansiedlungserfolge war letztlich auch die Entscheidung des Versorgungswerkes der Architekten, ihre erste Investition im Bereich Wohnungsbau im Universitätsviertel in Essen platzieren zu wollen.

Mit der nunmehr rasanten Realisierung des Viertels (alle Baufelder sind bereits vergeben) wird ein großes Stück Stadtreparatur und Stadtumbau in hochzentraler und integrierter Lage umgesetzt. Die Renaissance des Wohnens mit über 500 neuen Wohnungen in der City bestätigt in eindrucksvoller Weise das gewählte Konzept. Das Quartier hat in den Köpfen der Investoren, Käufer und Mieter endlich eine neue positive Adresse gefunden.

Stadt Essen
Stadtdirektor Dipl.- Ing. Hans-Jürgen Best

Amt für Stadtplanung und Bauordnung
Friedhelm Stärk T.
+49(0)201 / 8861350
friedhelm.staerk@amt61.essen.de
www.essen.de

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Essen

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