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Öffentlicher Raum in der Aneignung

Mit dem Städtebaulichen Masterplan Innenstadt, den der Rat im Jahr 2009 als Handlungsleitfaden für zukünftige stadträumliche Planungsentscheidungen beschlossen hat, wurde die Stadt erstmals systematisch auf Potenziale und Alleinstellungsmerkmale hin untersucht.

Sieben Stadträume wurden identifiziert, die für den Charakter der Stadt von einzigartiger Aussagekraft sind, jedoch in der jüngeren Vergangenheit nicht angemessen erhalten bzw. fortentwickelt wurden: der Stadtraum Rhein, die Kölner Ringstraßen, der innere Grüngürtel, die Kernzone der Stadt, die Nord-Süd-Fahrt, die Ost- West-Achse und die rechte Rheinseite. Einer der bedeutendsten Interventionsräume soll nachfolgend vorgestellt werden.

Kölner Ringstraßen
Die Kölner Ringe wurden im Städtebaulichen Masterplan Innenstadt von den Verfassern Albert Speer & Partner in besonderer Weise thematisiert. In keiner anderen europäischen Stadt ist eine vergleichbare Straßenanlage mit der Sequenz von Plätzen und Ringstraßen gebaut worden. Die Ringe markieren den Übergang zwischen Alt- und Neustadt und bilden durch Verzweigungen in die angrenzenden Stadtteile ein räumlich spannungsreiches Geflecht. Mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sind die gründerzeitlichen Gebäudetypologien mehrheitlich verschwunden und durch unterschiedlich qualitätsvolle Bebauung ersetzt worden. Die Struktur des Stadtgrundrisses ist bis heute aber erhalten und räumlich vorhanden, wenn auch nicht überall erfahrbar.

Albert Speer & Partner haben empfohlen, vor jeglicher Umgestaltungsmaßnahme in einer konzeptionellen Gesamtbetrachtung zu klären, mit welchem gestalterischen Anspruch und welchen Maßnahmen die Ringe ihr einprägsames Gesicht schärften bzw. zurückerhielten. Hierzu wurden drei interdisziplinäre, erfahrene Planungsteams ausgewählt. Jedes der drei Teams erkannte im Rahmen eines Werkstattverfahrens die gestalterische Prägnanz der Ringe. Sie stimmten einmütig überein, dass die Ringstraßen die Anforderungen aller Nutzer gleichermaßen erfüllen müssten: des Autoverkehrs ebenso wie der Stadtbahn, des Fußgängers ebenso wie des Radfahrers. Diese geforderte Multifunktionalität ist in den einzelnen Abschnitten der Ringstraßen höchst unterschiedlich und teils sehr eingeschränkt, sodass ein Verweilen und Aufenthalt heute wenig attraktiv ist.

Eine Lösung lautete, den Querschnitt der Ringe neu aufzuteilen und, unter Beibehalt der verkehrlichen Funktionalität, die Seitenräume großzügig zu boulevardartigen Bürgersteigen auszubauen. Damit würde attraktiver Raum für Kommunikation, Aufenthalt und Gastronomie geschaffen.

Für den Ebertplatz, Rudolfplatz und Barbarossaplatz wurden von den interdisziplinären Teams unter Leitung von Architekt Ackers, Architekten Pesch und Partner und (Landschafts-)Architektin Poly Konzepte für die zeit- und funktionsgemäße Anpassung entwickelt. Die Plätze entlang der Ringe sollten jeweils ein charakteristisches Erscheinungsbild erhalten und dennoch etwas mit den Ringen Verbindendes aufweisen. Das Bodenmaterial des Straßen- und Platzbelages, die Möblierung, die Beleuchtung oder die Baumarten sollten die Gestaltungselemente sein, die schnell erfassbar sind und Orientierung ermöglichen. So wenig spektakulär die Vorschläge anmuten, so eindrücklicher wurde dargestellt, wie wichtig es ist, einfache Strukturen anzubieten, die Orientierung und Wiedererkennung ermöglichen.

Aus den zahlreichen Vorschlägen wird derzeit in den Gremien des Rates eine Leitlinie für die künftige Gestalt der Ringe beraten, die bei baulichen Veränderungen integral zu betrachten ist. Die Gesamtmaßnahme wird der Stadt einen hohen finanziellen Einsatz abfordern, da sie auch aufwendige Umbaumaßnahmen in der Streckenführung der Stadtbahn erfordern. Betrachtet man beispielweise die Bündelung des Verkehrs am Rudolfplatz mit einer Verlegung des motorisierten Verkehrs in südliche Platzlage, so ist die Verkehrsführung vom Neumarkt kommend umzulenken. Bereits der Städtebauliche Masterplan hat hierin eine große Chance erkannt, dem Neumarkt eine adäquate Platzgestalt zu geben und ihn aus der heutigen Insellage zu lösen.

Der Barbarossaplatz – heute Verkehrsraum für den öffentlichen Nah- sowie den Individualverkehr – wird von stadträumlichen Verbesserungen besonders profitieren. Die erforderlichen Verkehrsgutachten werden bearbeitet. Sie nehmen die Überlegungen aus dem Werkstattverfahren auf und bewerten sie. Zunächst wird jedoch der Ebertplatz mit der angrenzenden Parkanlage zum Rhein mit Priorität bearbeitet mit dem Ziel, die unterschiedlichen, behindernden Platzniveaus auszugleichen. So kann auch die funktionale Verbindung zwischen den Stadtteilen Nippes und Eigelstein hergestellt werden.

Das Werkstattverfahren hat nachgewiesen, dass nur eine integrierte Betrachtung von Funktionalität, Nutzungen, Verkehrsbeziehungen und ökonomischer Leistung zu einer tragfähigen, stadträumlichen Gestaltqualität führen kann. Damit bestätigt sich das im Städtebaulichen Masterplan Innenstadt angelegte Profil für die Ringstraßen. Die finanziellen Mittel müssen in den kommenden Jahren kontinuierlich zur Verfügung gestellt werden, um dem einstigen Prachtboulevard ein zeitgemäßes Erscheinungsbild mit guter Nutzungsqualität in einer modernen Großstadt zu verleihen.

Stadt Köln
Stadtplanungsamt

Leiterin
Anne Luise Müller
T. +49 (0)221 / 221 2 57 23
E-Mail: anne.luise.mueller@stadt-koeln.de

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Köln

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