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Neue Bestimmung

Seine Prägung erhielt das Gebiet Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Anlage des Humboldthafens, des Berlin-Spandauer- Schifffahrtskanals und des Nordhafens nach den Plänen von Schinkel und Lenné und dem folgenden Aufschwung des Eisenbahnwesens. Seit 2003 wird die Fläche nicht mehr für Bahnzwecke benötigt und wartet auf eine neue Bestimmung. Dass die Entwicklung der Bereiche um den 2006 eröffneten Hauptbahnhof bisher wenig dynamisch verlief, erklärt sich durch die besondere Situation Berlins: zahlreiche innerstädtische Flächenpotenziale und damit ein Angebot, das die Nachfrage bislang überstieg. Diese seit wenigen Jahren abgelegte Zurückhaltung führt nun auch an dieser Stelle zu Aktivitäten. Neben dem Neubau von Ministerien ist es besonders der deutlich gestiegene Tourismus, der zur Realisierung zahlreicher Hotels führt. Aber auch Verbände und Konzerne schätzen die exponierte Lage mit hervorragender Infrastruktur.

Grundlage für das neue urbane Quartier um die Heidestraße ist der 2009 beschlossene Masterplan. In bis zu 600.000 m² Geschossfläche sollen zukünftig ca. 4.000 Menschen wohnen und bis zu 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Das Quartier soll aber nicht nur Wohn-, Arbeits- und Kulturort werden, es soll die historische Zäsur durch Gleisanlagen und Kanal überwinden und die Ortsteile Moabit und Mitte im Westen und im Osten miteinander verbinden. Dazu sind neue Brücken, Grünzüge und Plätze vorgesehen. Das besondere Potenzial von Wasserlagen soll zudem durch eine Uferpromenade und ein „Hafenbecken“ ausgeschöpft werden.

Das „Europacity“ getaufte Gebiet wird mittlerweile erfolgreich durch die privaten Grundstückseigentümer CA Immo und Deutsche Bahn entwickelt und vermarktet. Basis dafür sind die enge Kooperation zwischen den Privateigentümern und dem Land Berlin sowie die stark gestiegene Nachfrage nach Flächen. Insbesondere die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Preise für Mieten und Eigentumswohnungen steigen weiter und innerstädtische Flächen werden langsam knapp. Damit sind die Chancen für eine erfolgreiche und zeitlich überschaubare Entwicklung enorm gestiegen. Gewachsen sind aber auch die Anforderungen und Ansprüche an den Wohnungsbau. Die Mehrzahl der in Berlin in den letzten Jahren realisierten Wohnungen sind dem gehobenen Markt zuzuordnen. Mieten ab 10 Euro pro m² oder Eigentumswohnungen um 3.000 Euro pro m² sind im internationalen Vergleich zwar immer noch relativ günstig, für viele Berliner aber nicht bezahlbar. Die Europacity soll zukünftig eine gemischte Bewohnerstruktur aufweisen können und somit auch Menschen mit geringerem Einkommen Möglichkeiten bieten. Gewünscht ist eine soziale Mischung, wie sie in gewachsenen Quartieren anzutreffen ist. Gemeinsam wird deshalb auch überlegt, wie Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und Baugruppen zum Zuge kommen können.

Um das Quartier optimal zu konzipieren, wurden im Rahmen einer Nachhaltigkeitswerkstatt Visionen für die Themenfelder Soziales, Freiraum, Wasser, Verkehr, Energie, Abfall und Baustoffe erarbeitet und auf ihre Realisierungsfähigkeit überprüft. Insbesondere bei den Themenfeldern Soziales, Wasser und Freiraum hat sich gezeigt, dass die vernetzte Betrachtung erhebliches Potenzial zur Verbesserung der zukünftigen Aufenthaltsqualitäten für die Bewohner generiert:

• U m Nachhaltigkeit im sozialen Kontext zu erzielen, spielt die Ausrichtung auf die Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Daher sollen Kommunikations- und Begegnungsräume den Austausch und das Miteinander fördern sowie Informationen bieten.

• Die Nutzungsvielfalt der Wohnungen soll monotonen Strukturen vorbeugen und ist zudem wichtig, um auch in Zukunft für wechselnde Milieus geeignet zu sein.

• Auch bei den Freiräumen sind Nutzungsoffenheit und Möglichkeiten der Aneignung gefragt, damit flexibel auf Veränderungen reagiert werden kann.

• Die exponierte Lage der „Europacity“ am Berlin-Spandauer- Schifffahrtskanal soll genutzt werden, um Wasser besonders erlebbar werden zu lassen. Die Promenade entlang des Kanals und ein neues Wasserbecken werden auch für Besucher und Touristen hohe Anziehungskraft entfalten.

Für den ersten größeren Entwicklungsbaustein – das Stadthafenquartier Süd – sollen bis Ende des Jahres die Hochbau-Realisierungswettbewerbe abgeschlossen sein. In einem Joint Venture wollen die Partner CA Immo und Hamburg Team 550 Wohnungen sowie Geschäfts- und Büroflächen an der Heidestraße entwickeln. Qualitätssicherungsverfahren sorgen dabei dafür, dass unterschiedliche Wohnungstypen und architektonische Vielfalt verwirklicht werden.

Mit dem Umbau der Heidestraße zu einem quartierverbindenden Boulevard wird Mitte 2013 begonnen. Parallel entstehen die Sammelstraßen und die Promenade. Anfang 2015 könnten die ersten Bewohner das Quartier mit Leben erfüllen.

Stadt BERLIN
Senatsverwalt ung für Stadtentwicklung und Umwelt

Projektleitung
Dipl.-Ing. / M.Sc. Werner Schlömer

Abteilung Städtebau und Projekte, Referat II B
T. +49 (0)30 / 9025 – 2053
werner.schloemer@senstadt.berlin.de
www.stadtentwicklung.berlin.de

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Berlin

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