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Innovatives Milieu in der Ansiedlung

Die Expo 2000, die erste Weltausstellung in Deutschland, fand in Hannover vom 1. Juni bis zum 31. Oktober 2000 statt. Innerhalb der gut zehnjährigen Planungsphase wurden – teils gegen heftigen Widerstand im kommunalen Umfeld – hierzu zahlreiche Infrastrukturen und Gebäude auf dem eigens dafür errichteten und rund 160 ha großen Gelände errichtet. Obwohl die Weltausstellung als ein großer Erfolg gewertet wurde, gestaltete sich die Folgenutzung des riesigen Areals in Peripherielage als schwierig. Zwar wurden diverse Pavillons weiter genutzt und andere Flächen strukturell verändert, aber insbesondere der politische Wunsch zur Transformation in ein Gründungsareal stellte die Verantwortlichen vor große Herausforderungen.

Ursprünglich sah das Nachnutzungskonzept für das Expo- Gelände eine Schwerpunktbildung im Bereich „Neue Medien und Informationstechnologie“ vor. Zur Zeit des Internetbooms, vor dem Untergang der „New Economy“ Ende des Jahres 2001, erschien eine solche Planung auch wegen der örtlichen Nähe zur weltgrößten Computermesse CeBIT naheliegend und überzeugend. Der Zusammenbruch des Neuen Marktes setzte allerdings dem rasanten Gründungsboom im IT-Sektor nicht nur in Hannover ein jähes Ende. Es reduzierte sich als Folge die Nachfrage zu entsprechenden Gewerbefreiflächen binnen kurzer Zeit dramatisch. Dennoch wurde im Zuge der Nachnutzungsplanung auf dem Expo-Gelände mit dem „CampMedia“ ein Gründerzentrum in direkter räumlicher Nähe der technischen Fakultäten der Fachhochschule Hannover errichtet. Vor dem Hintergrund einer „Gründerwelle“ in der ITBranche war die Einrichtung eines IT-Gründerzentrums in den Entwicklungsplänen für den Expo-Park seinerzeit folgerichtig. Allerdings hätte man rückblickend den Markteintritt zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt treffen können.

Im Jahr 2003 wurde dann die hannoverimpuls GmbH um Hilfestellung zur Schaffung entsprechender Gründungsstrukturen gebeten. Basierend auf dem sogenannten „Hannover-Projekt“, das gemeinsam mit der Beratungsfirma McKinsey erarbeitet worden war, sollte die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Projekte gemeinsam mit Unternehmen, Gründern, Interessenverbänden und der Wissenschaft initiieren und fördern. Neben der Stärkung von sechs Wachstumsbranchen vornehmlich durch die umfassende Förderung des regionalen Gründungsgeschehens. Mit neuen Instrumenten sollten in technologie- und wissensorientierten Wachstumssegmenten Gründer mobilisiert und unterstützt sowie das Wachstum von bestehenden Unternehmen gefördert werden.

Im Jahr 2004 wurde damit begonnen, junge Unternehmen mit dem Schwerpunkt IT-Wirtschaft über eine bundesweit einzigartige Ansiedlungsinitiative mit dem Namen „Plug & Work“ gezielt auf dem Expo-Gelände anzusiedeln. Das Projekt wurde als Wettbewerb konstruiert und grenzte sich damit von den meisten gängigen Flächenvermarktungsansätzen ab. Das Konzept ist dabei einfach: Wer das beste Geschäftsmodell einer Jury aus Unternehmern und Gründungsexperten präsentiert, arbeitet ein Jahr lang miet- und kostenfrei, bekommt Zugang zu den regionalen Netzwerken und wird fortan auch gezielt gecoacht. Neben hannoverimpuls engagierten sich auch weitere namenhafte Sponsoren wie die Sparkasse Hannover, Siemens, die AOK sowie der regionale Telefonie- und Internetdienstleister htp von Anfang an in der Ansiedlungsoffensive. Bereits im ersten Jahr konnten weit mehr als die geplanten 20 Unternehmen durch das Projekt gewonnen werden, die allesamt in ungenutzten Gebäudeteilen der Expo Plaza untergebracht wurden, was den Auslastungsgrad über eine kritische Masse beförderte und den Standort stärkte.

In den Folgejahren wurde unter günstigeren Konjunkturvoraussetzungen die Zahl der angesiedelten Unternehmen weiter gesteigert und auch außerhalb des Wettbewerbes bekundeten immer mehr junge Unternehmen ihr Interesse am IuK-Standort „Expo Plaza“. Bis heute wurden über den Wettbewerb über 100 Unternehmen am ehemaligen Problemstandort angesiedelt. Im Rückblick ist neben der Kostenbefreiung vor allem die Bereitschaft zur kleinräumigen Vermietung von Büroflächen als wesentlicher Motor und Vorteil des Wettbewerbes zu sehen. Nur durch diese konzeptionelle Innovation konnten junge Gründer, die oft aus dem Hochschulumfeld stammten, überhaupt für einen Weg in die Selbstständigkeit gewonnen werden. Trotz dieses Zuschnitts war es zudem noch erforderlich, dass hannoverimpuls zeitweilig als Zwischenvermieter fungierte. Gerade diese strategische Option kann je nach regionalem Gründungsklima notwendig sein, um eine nachhaltige Gründungsaktivität sicherzustellen. Ab dem Moment, an dem eine kritische Grundmenge von Unternehmen auf dem Expo-Gelände etabliert werden konnte, steigerte sich zum einen die Bleibebereitschaft der jungen Unternehmen und zum anderen erhöhte sich auch die allgemeine Zuzugsakzeptanz für Investoren mit Interesse am Standort.

Im Hinblick auf einen Transfer auf andere Standorte ist insbesondere die Wichtigkeit des initiierenden Treibers über einen mittelfristigen Zeitraum zu unterstreichen. Durch Plug & Work konnte nicht nur eine kritische Masse an Gründungsunternehmen im IT- und Medienbereich erreicht werden, sondern auch ein innovatives Milieu in der Nähe zur Fachhochschule Hannover, an der sich aktive Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stark weiterentwickelt haben. Die gestarteten Projekte, vor allem im Design- und Medienbereich, haben fortan zu weiteren intensiven Gründungsaktivitäten als Spin-offs aus Hochschulen geführt. Viele dieser Gründungen haben dann wiederum am bestehenden Wettbewerb teilgenommen und konnten sich auf dem ehemaligen Expo-Gelände ansiedeln.

Welches Fazit lässt sich nun aus den Erfahrungen mit dem beschriebenen Instrumentarium ziehen? Gerade bei der Belebung von Großflächen und peripheren Gebieten kann die gezielte Arbeit von Wirtschaftsförderungen deutliche Fortschritte bringen, wenn natürliche Marktkräfte aus konjunkturellen Gründen noch nicht erwacht sind. Neben der geschickten Moderation und Vernetzung von Gründungsaktivitäten, Flächenanbietern und den etablierten Unternehmen am Standort gehört dazu auch die Bereitschaft, als Institution vorhandene Lücken (zum Beispiel die des Zwischenvermieters) zumindest solange zu füllen, bis Marktmechanismen diese Aufgabe übernehmen können.

Solche Aktivitäten münden dann in Wettbewerben wie dem beschriebenen Plug & Work. Dieser Ansatz darf allerdings nicht als subventionierende Intervention missverstanden werden. Es empfiehlt sich gerade für die öffentliche Hand, stets etablierte Unternehmen als Kooperationspartner zu gewinnen, weil nur so Markteintrittsoptionen und -barrieren für Gründer geprüft und ggf. dauerhaft gesenkt werden können. Auch der marktwirtschaftlich orientierte Wissens- und Technologietransfer kann nur aufgebaut werden, wenn jeder einzelne Akteur einen wettbewerbsrelevanten Mehrwert von vornherein erkennen kann.

Hannoverimpuls GmbH

Bereichsleiter Branchenentwicklung und Internationalisierung
Rasmus C. Beck
Tel. +49 (0) 511/ 300 333 – 51
Rasmus.Beck@hannoverimpuls.de

Projektleiter Strategie & Projektcontrolling
Dr. Michael Klünder
Tel. +49 (0) 511/ 300 333 – 53
Michael.Kluender@hannoverimpuls.de
www.hannoverimpuls.de

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Hannover

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